Diese kleine Anleitung richtet sich an Einsteiger, die sich für einen Umstieg auf ein GNU/Linux-Betriebssystem interessieren. Durch die Offenheit von Linux begegnen Interessierte zunächst unbekannten Begriffen. Im Folgenden werden einige dieser Begriffe erklärt und es wird gezeigt, wie der Einstieg in die Linux-Welt gelingt.
GNU/Linux vs. Linux – Was ist der Unterschied?
Manchmal liest man etwas von GNU/Linux. Gibt es einen Unterschied zu Linux?
Linux
Streng genommen ist mit Linux nur der Linux-Kernel gemeint. Der Linux-Kernel ist das Herzstück des Betriebssystems. Das Projekt wurde 1991 durch Linus Torvalds gestartet. Der Kernel stellt die Schnittstellen zwischen Hard- und Software bereit und verwaltet die Ressourcen. Dies ermöglicht Programmen eine Interaktion mit der Hardware des Computers.GNU-Projekt
Das freie GNU-Projekt wurde am 27. September 1983 durch Richard Stallman als Reaktion auf die zunehmende Kommerzialisierung von UNIX bei AT&T angekündigt. Zu Beginn gab es im GNU-Projekt noch keinen eigenen Kernel, es bestand aus diversen Programmen, welche notwendig zur Benutzerinteraktion des Kernels sind (z. B. die Shell, Bibliotheken, Compiler…)
Die beiden Projekte ergänzten sich gegenseitig: Der Linux-Kernel liefert die Basis, es fehlten allerdings die notwendigen freien Programme. Diese wurden aus dem GNU-Projekt genutzt. Daher wird häufig “GNU/Linux” genannt – um die bedeutende Rolle des GNU-Projekts hervorzuheben.
Distributionen
Eine Distribution (kurz Distro) ist die Kombination verschiedener Komponenten zu einem Gesamtsystem, welches das GNU/Linux System und zusätzlich Software zum Beispiel zur Paketverwaltung oder Systemverwaltung enthält.
Distributionen, welche z.B. für den Einstieg in die Linux-Welt geeignet sind:
| Distribution | Standard Desktop-Umgebung | Link |
|---|---|---|
| Linux Mint | Cinnamon, Mate, KDE | linuxmint.com |
| MX Linux | XFCE, KDE, fluxbox | mxlinux.org |
| ZorinOS | Gnome | zorin.com |
| Ubuntu | Gnome | ubuntu.com |
| Kubuntu | KDE | kubuntu.org |
| Xubuntu | XFCE | xubuntu.org |
| Debian | Gnome | debian.org |
| openSUSE Leap | KDE | opensuse.org |
Nicht jede Distribution erfindet das Rad komplett neu. Viele Distributionen entstammen von einer anderen Distribution. So sind beispielsweise Debian und openSUSE alleinstehend, Ubuntu basiert auf Debian und Mint wiederum auf Ubuntu.
Wovon sich die Distributionen visuell unterscheiden sind die Desktop-Umgebungen. Gnome, Cinnamon und KDE sind hierbei die umfangreichsten, benötigen allerdings etwas mehr Ressourcen im Betrieb. Ältere Rechner profitieren von ressourcensparenden Umgebungen, wie XFCE, Mate oder fluxbox. Fluxbox ist streng genommen keine vollwertige Desktop-Umgebung, sondern ein Fenster-Manager. Ein Fenster-Manager ist nur ein Teil einer Desktop-Umgebung, welches für die Organisation, Verwaltung und Dekoration von Fenstern zuständig ist. Oftmals haben Distributionen ihr eigenes Aussehen (Themes) der Desktop-Umgebung entworfen.
Eine weitere Unterscheidung ist die Aktualität der Softwarepakete und der Release-Zyklus. Hier gibt es die Formen Stable-Release und Rolling-Release:
- Stable-Releases sind getestete Versionen, die zu einem Zeitpunkt veröffentlicht werden. Sicherheitsaktualisierungen und kleinere Versionssprünge von den Paketen werden weiterhin zur Verfügung gestellt.
- Rolling-Releases sind weniger umfangreich getestet, dafür werden neue Versionen schneller veröffentlicht, können aber gelegentlich zu Instabilitäten führen.
Alle obigen Distributionen haben Stable-Releases.
Wer schnell einen Eindruck von einer Distribution bekommen möchte, kann sie unter distrosea.com direkt im Browser starten und begutachten.
Wie sollte ich den weiteren Umstieg planen?
Vor der eigentlichen Installation sollte man noch ein paar Dinge prüfen:
- Ist meine Hardware kompatibel?
- Welche Anwendungen nutze ich regelmäßig? Welche Alternativen gibt es unter Linux?
- Welche Daten muss ich auf das neue System übertragen?
- Sind die Daten kompatibel mit den Anwendungen für Linux?
- Wie übertrage ich die Daten?
Die Hardware-Unterstützung ist mittlerweile sehr gut, bei spezieller Hardware (z. B. TV-Karten, WLAN-Sticks, Fingerabdrucksensoren) können allerdings Probleme auftreten. Dieses kann am besten in der Live-Umgebung ausprobieren und über eine Suchmaschine erfragt werden. Beim Hardwarekauf empfiehlt es sich vorher immer die Linux-Unterstützung zu prüfen.
Die Auswahl einer Distribution ist sehr subjektiv und hängt von den Bedürfnissen ab. Für Einsteiger kommt eher eine Distribution mit Stable-Releases in Frage.
Eine Live-Umgebung erstellen
Um selber ein Linux auf dem Rechner auszuprobieren, bieten soweit alle Distributionen eine Live-Umgebung an. Dieses ist eine gute Möglichkeit, um die einzelnen Desktop-Umgebungen kennenzulernen und seine Hardware auf Kompatibilität zu prüfen.
Die Live-Umgebung wird heutzutage üblicherweise auf einen USB-Stick kopiert. Dieses macht ihr unter Windows am besten mit Rufus. Anschließend müsst ihr noch die Boot-Reihenfolge im UEFI/BIOS eures Mainboards einstellen, um beim Starten vom USB-Stick zu booten. Es werden bei der Live-Umgebung noch keine Änderungen auf die Festplatte geschrieben, sondern alles befindet sich im Arbeitsspeicher. Änderungen am System sind somit nach dem Neustart verloren.
Im GNU/Linux zurechtfinden
Für Einsteiger empfiehlt es sich die ersten Schritte im Ubuntu Wiki zu lesen. Dort finden sich viele Informationen allgemeiner Natur, welche nicht ausschließlich verwendbar für Ubuntu sind. Hier soll es nur einen kurzen Einblick geben.
Nutzerverwaltung
Unter Linux müssen administrative Änderungen am System vom Benutzer “root” ausgeführt werden. Nicht-administrative Nutzer können mit dem zumeist installierten Programm “sudo” Nutzerrechte temporär erweitern, falls die Nutzer dafür freigeschaltet sind. Dieses wird für den Hauptnutzer des Systems bei der Installation meistens bereits eingestellt.
Anwendungen installieren
Im Gegensatz zu Windows, wo die Software direkt vom Hersteller, bspw. in Form einer “EXE” oder “MSI”, bezogen wird, gibt es bei Debian-basierten Systemen die “DEB”-Pakete. Diese werden üblicherweise über die Paketserver der Distribution verteilt. Die “DEB”-Pakete enthalten ähnlich wie eine “MSI” eine Beschreibung, wo die Daten u.a. kopiert werden sollen. Die Distribution openSUSE verwendet “RPM”-Pakete, welche von der Firma Red Hat ursprünglich entwickelt wurden.
Die Distributionen bringen eine Paketverwaltung (APT bei Debian, YaST2/zypper bei openSUSE) mit, welche den Paketserver kennt und die bereitgestellten Pakete installieren und verwalten kann. Es sollten alle Pakete immer über die Paketverwaltung installiert werden und nicht manuell. Die Paketverwaltungen in den Distributionen besitzen oftmals eine komfortable grafische Oberfläche.
Aufgrund der Vielzahl von unterschiedlichen Paketverwaltungen in den Distributionen und den Aufwand für Hersteller für alle Distributionen Pakete bereitzustellen sind mit der Zeit weitere Paketverwaltungen, wie Snap und Flatpak entstanden.
Die Dateisystem-Struktur
Unter Windows sind Partitionen in Laufwerksbuchstaben unterteilt (C:, D:).
Linux ist in das sogenannte Filesystem Hierarchy Standard (FHS) gegliedert. Das FHS ist eine Empfehlung, wo Daten abgelegt werden sollen. In der Linux-Welt findet sich das sogenannte Stammverzeichnis (/), hierunter sind die einzelnen Verzeichnisse. Eine Übersicht über die einzelnen Verzeichnisse und ihre Bedeutung findet sich in der Wikipedia.
Als Benutzer ist man zumeist in seinem “home” Ordner unterwegs, welches unter “/home/BENUTZERNAME” erreichbar ist. In diesem Ordner werden alle Benutzerdaten abgelegt, vergleichbar mit “C:\Users\BENUTZERNAME”.
Ich benötige Hilfe
Falls ihr Hilfe benötigt oder Anmerkungen habt, schreibt gerne auf die Mailingliste.
Weitere Informationen
- Über das GNU-Projekt
- Die Debian APT Paketverwaltung
- Die openSUSE Paketverwaltungen
